
Goldpreis im Sinkflug: Warum die «Krisenwährung» im Iran-Konflikt versagt
Gold gilt seit Jahrhunderten als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Doch im aktuellen Iran-Konflikt versagt diese Logik spektakulär. Während der Ölpreis auf über 116 Dollar pro Barrel klettert und die globalen Aktienmärkte unter Druck geraten, zeigt sich der Goldpreis ungewöhnlich schwach – ein Phänomen, das Finanzexperten weltweit vor Rätsel stellt.
Darum gehts
- Der Goldpreis zeigt sich trotz eskalierendem Iran-Krieg und globaler Unsicherheit schwach – entgegen historischer Muster
- Ölpreis klettert auf über 116 Dollar pro Barrel, während asiatische Börsen einbrechen
- Alexandra Janssen von Ecofin warnt vor deutlich gesunkener Liquidität an den Finanzmärkten
- Experten diskutieren neue Dynamiken: von Kryptowährungen als Alternative bis zur veränderten Rolle von Zentralbanken
Was berichten die Medien?
Die NZZ analysiert das Phänomen und stellt fest, dass Gold seine traditionelle Rolle als Krisenwährung aktuell nicht erfüllt. «Im Gegensatz zu Aktien hat sich der Goldpreis historisch gesehen in Krisen oft gut gehalten oder ist sogar deutlich gestiegen», schreibt die Zeitung. Warum dies im Iran-Krieg bisher nicht der Fall sei, bleibe rätselhaft.

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Alexandra Janssen, Chefin des Zürcher Vermögensberaters Ecofin, äussert sich besorgt im NZZ-Interview: «Die Liquidität an den Finanzmärkten ist seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs deutlich gesunken.» Gleichzeitig betont sie, dass die Märkte bisher erstaunlich ruhig geblieben seien. «Für eine Finanzkrise bedürfte es eines ziemlich starken Schocks», so ihre Einschätzung.
Die BBC berichtet über die dramatischen Entwicklungen an den Energiemärkten: Der Ölpreis steige auf über 115 Dollar, während asiatische Aktienmärkte einbrechen würden. Die Eskalation durch den Kriegseintritt der jemenitischen Huthi-Rebellen verschärfe die Situation zusätzlich.
Die New York Times fokussiert auf die Energiekrise: Der Sprung des Ölpreises auf 116 Dollar pro Barrel sei ein direktes Resultat der Eskalation im Nahen Osten. Die Blockade kritischer Energielieferungen treffe besonders asiatische Länder hart.
Unterschiedliche Perspektiven
Die internationalen Medien zeigen deutlich unterschiedliche Schwerpunkte in ihrer Berichterstattung. Während Schweizer Medien wie die NZZ primär die Anomalie beim Goldpreis und die Auswirkungen auf die Finanzmärkte analysieren, konzentrieren sich angelsächsische Medien stärker auf die geopolitischen Aspekte.
Die NZZ berichtet, dass die Huthi-Rebellen nach fast einem Monat Zurückhaltung nun Raketen auf Israel abgefeuert hätten. «Die Folgen könnten gravierend sein», warnt die Zeitung.
Die New York Times betont hingegen, dass Iran trotz erheblicher Verluste weiterhin die Fähigkeit besitze, schmerzhafte Vergeltungsschläge durchzuführen. Eine Welle von Angriffen in den vergangenen Tagen zeige dies deutlich.

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Besonders interessant ist die unterschiedliche Gewichtung der wirtschaftlichen Folgen: Während europäische Medien wie die NZZ über die Gefährdung des deutschen Aufschwungs berichten – «Aus der Ölpreishausse könnte eine neue Inflations- und Schuldenkrise werden» – fokussieren amerikanische Medien stärker auf die globalen Energieflüsse.
Die New York Times analysiert die dramatischen Auswirkungen auf den Flüssiggas-Markt: Asiatische Länder, die grössten Importeure von LNG aus dem Nahen Osten, würden bereits mehr Kohle verbrennen und ihren Verbrauch reduzieren.
Der grössere Kontext
Die aktuelle Schwäche des Goldpreises markiert einen historischen Bruch mit etablierten Mustern. In früheren Krisen – sei es während des Golfkriegs 1991, nach 9/11 oder während der Finanzkrise 2008 – stieg der Goldpreis regelmässig als Reaktion auf geopolitische Unsicherheiten.
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Erstgespräch buchen →Mehrere Faktoren könnten diese Anomalie erklären. Erstens hat sich die Struktur der Finanzmärkte fundamental verändert. Die NZZ berichtet über die wachsende Rolle von Kryptowährungen, die möglicherweise als alternative «Krisenwährung» fungieren. Obwohl Bitcoin und andere Kryptowährungen durch die Quantencomputer-Bedrohung selbst unter Druck stehen, ziehen sie offenbar Kapital ab, das früher in Gold geflossen wäre.
Zweitens spielen Zentralbanken heute eine andere Rolle als in früheren Krisen. Die massiven Interventionen während der Corona-Pandemie haben gezeigt, dass Notenbanken bereit sind, mit allen Mitteln gegenzusteuern. Dies könnte das Vertrauen in traditionelle Absicherungen wie Gold untergraben.
Drittens ist die geopolitische Konstellation heute komplexer. Die New York Times berichtet, dass Präsident Trump Irans Erlaubnis für 20 weitere Öltanker durch die Strasse von Hormus als «Zeichen des Respekts» interpretiert. Solche unerwarteten diplomatischen Wendungen schaffen Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Konflikts.
Die BBC meldet zudem den Tod dreier libanesischer Journalisten durch einen israelischen Angriff, was die Komplexität des Konflikts unterstreicht. Gleichzeitig berichten die BBC über iranische Angriffe auf Industrieanlagen in den VAE und Bahrain.

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Die Energiemärkte zeigen derweil klassische Krisenmuster. Der New York Times zufolge erlauben die USA trotz Blockade einem russischen Öltanker, Kuba zu erreichen – ein Zeichen für die komplexen geopolitischen Verflechtungen.
Parallel dazu verschärft sich die Situation in anderen Regionen. Die NZZ analysiert den offenen Krieg zwischen Pakistan und den Taliban, während die BBC über einen versuchten Bombenanschlag auf die Bank of America in Paris berichtet.
Fazit
Die Schwäche des Goldpreises im aktuellen Iran-Konflikt markiert einen bemerkenswerten Bruch mit historischen Mustern. Während der Ölpreis erwartungsgemäss auf über 116 Dollar steigt und die Aktienmärkte unter Druck geraten, versagt Gold als traditionelle Krisenwährung.
Die Gründe sind vielschichtig: Von der veränderten Rolle der Zentralbanken über neue Anlagealternativen wie Kryptowährungen bis hin zur komplexen geopolitischen Gemengelage. Alexandra Janssens Warnung vor gesunkener Marktliquidität deutet auf tieferliegende strukturelle Veränderungen hin.
Die unterschiedlichen medialen Perspektiven – von der Schweizer Fokussierung auf Finanzmarktanomalien bis zur amerikanischen Konzentration auf Energieflüsse – zeigen, wie vielschichtig die aktuelle Krise ist. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass etablierte Krisenreaktionsmuster nicht mehr verlässlich funktionieren. Die Finanzmärkte befinden sich in einer Phase fundamentaler Neuorientierung, deren Ausgang offen bleibt.
Quellenverzeichnis
- NZZ: Starkes Minus bei Gold
- NZZ: Interview mit Alexandra Janssen
- BBC: Oil rises above $115
- New York Times: Oil Jumps to $116
- New York Times: Gas Supply Crisis
- NZZ: Gefährdeter Aufschwung
- NZZ: Quantencomputer und Krypto
- NZZ: Huthi-Kriegseintritt
- New York Times: Iran's Capabilities
- BBC: Gulf Attacks
- BBC: Journalists Killed
- New York Times: Live Updates
- New York Times: Russian Oil Tanker
- NZZ: Pakistan-Taliban Konflikt
- BBC: Paris Bank Attack
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