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Goldpreis bricht ein: Die vermeintliche Krisenwährung versagt im Iran-Krieg
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Goldpreis bricht ein: Die vermeintliche Krisenwährung versagt im Iran-Krieg

Die Finanzmärkte erleben derzeit ein Phänomen, das viele Experten überrascht: Während der Iran-Krieg die Weltwirtschaft erschüttert und die Ölpreise auf Rekordhöhen treibt, bricht ausgerechnet der Goldpreis ein. Das Edelmetall, das traditionell als ultimative Krisenwährung gilt, verliert seit Kriegsbeginn massiv an Wert – und das in einem Ausmass, das selbst die Verluste vieler Aktien übertrifft.

Darum gehts

  • Der Goldpreis ist seit Beginn des Iran-Kriegs stärker gefallen als viele Aktienindizes
  • Die traditionelle Rolle von Gold als «sicherer Hafen» wird fundamental infrage gestellt
  • Experten sehen strukturelle Veränderungen an den Finanzmärkten als Hauptursache
  • Die Liquidität an den globalen Märkten hat deutlich abgenommen

Was berichten die Medien?

Die NZZ kommentiert pointiert: «Der Glaube an Gold als sicheren Hafen entpuppt sich in kurzer Frist einmal mehr als Irrtum.» Die Zeitung weist darauf hin, dass die Verluste beim Goldpreis grösser seien als bei vielen Aktien – eine Entwicklung, die dem traditionellen Narrativ vom Gold als Krisenschutz fundamental widerspreche.

In einer detaillierten Analyse geht die NZZ den Gründen für diese überraschende Entwicklung nach. Historisch habe sich der Goldpreis in Krisen oft gut gehalten oder sei sogar deutlich gestiegen. Dass dies im Iran-Krieg bisher nicht der Fall sei, stelle viele Marktbeobachter vor Rätsel.

Gold verliert in der aktuellen Krise seine traditionelle Rolle als sicherer Hafen
Gold verliert in der aktuellen Krise seine traditionelle Rolle als sicherer Hafen
Bild: www.kaboompics.com / Pexels

Alexandra Janssen, Chefin des Zürcher Vermögensberaters Ecofin, äussert sich im NZZ-Interview besorgt über die deutlich gesunkene Liquidität an den Finanzmärkten seit Kriegsausbruch. Gleichzeitig betont sie: «Anleger sind bisher erstaunlich ruhig geblieben.» Für eine echte Finanzkrise bedürfe es «eines ziemlich starken Schocks» – offenbar reiche der Iran-Krieg allein dafür nicht aus.

Unterschiedliche Perspektiven

Während europäische Medien primär die wirtschaftlichen Auswirkungen analysieren, fokussieren sich amerikanische Nachrichtenquellen stärker auf die geopolitischen Dimensionen. Die New York Times berichtet, dass Präsident Trump eine baldige Beendigung des US-Militäreinsatzes angekündigt hat. Diese Aussage könnte die Märkte beruhigt und paradoxerweise den Goldpreis unter Druck gesetzt haben.

Die BBC meldet hingegen einen Anstieg der asiatischen Aktienmärkte nach Trumps Äusserungen, der Iran-Krieg könne «in Wochen enden». Der Brent-Rohölpreis sei im März um rekordverdächtige 64 Prozent gestiegen, da der Konflikt die Energieversorgung störe. Diese extreme Verteuerung von Öl könnte Kapital vom Goldmarkt abgezogen haben.

Besonders aufschlussreich ist die NZZ-Berichterstattung über Irans neues «Mautsystem» an der Strasse von Hormuz: Zwei Millionen Dollar pro Schiff kassiere Teheran nun für die Passage. Diese direkte Monetarisierung des Konflikts zeigt, wie sich moderne Kriege auch in ihrer wirtschaftlichen Dimension von früheren unterscheiden.

Der grössere Kontext

Die aktuelle Goldpreis-Entwicklung muss im Kontext tiefgreifender struktureller Veränderungen an den Finanzmärkten betrachtet werden. Historisch fungierte Gold als ultimative Absicherung gegen Inflation, Währungskrisen und geopolitische Unsicherheiten. Diese Rolle scheint das Edelmetall zumindest kurzfristig eingebüsst zu haben.

Die Finanzmärkte reagieren anders als in früheren Krisen
Die Finanzmärkte reagieren anders als in früheren Krisen
Bild: adrian vieriu / Pexels

Ein wichtiger Faktor könnte die veränderte Marktstruktur sein. Die von Alexandra Janssen erwähnte gesunkene Liquidität deutet auf fundamentale Verschiebungen hin. Möglicherweise haben sich die Handelsvolumina so stark reduziert, dass traditionelle Preismechanismen nicht mehr greifen. Wenn weniger Marktteilnehmer aktiv handeln, können Preisbewegungen extremer und unvorhersehbarer werden.

Zudem hat sich die globale Wirtschaftsarchitektur seit den letzten grossen Krisen erheblich gewandelt. Die Digitalisierung der Finanzmärkte, der Aufstieg von Kryptowährungen als alternative «sichere Häfen» und die zunehmende Bedeutung von algorithmischem Handel könnten traditionelle Korrelationen ausser Kraft setzen.

Die NZZ berichtet über die Herausforderungen, die Quantencomputer für Kryptowährungen darstellen könnten. Während Google und Ethereum ihre Verschlüsselung bis 2029 quantensicher machen wollen, zauderten Bitcoin-Entwickler noch. Diese technologischen Umwälzungen zeigen, wie schnell sich die Finanzlandschaft verändert.

Interessant ist auch der geopolitische Kontext: Der NZZ-Podcast «Geopolitik» analysiert Erdogans Balanceakt zwischen den Konfliktparteien. Die Türkei versuche verzweifelt, neutral zu bleiben, drohe aber zur «unfreiwilligen Pufferzone» zu werden. Solche regionalen Dynamiken beeinflussen indirekt auch die Rohstoffmärkte.

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Wirtschaftliche Verwerfungen weltweit

Die Auswirkungen des Iran-Kriegs zeigen sich nicht nur an den Finanzmärkten. Die NZZ berichtet über die Energiekrise in Asien: Iran blockiere weiterhin die Strasse von Hormuz, wodurch Erdöllieferungen nach Südostasien ausblieben. Erste Länder hätten bereits den Energienotstand ausgerufen.

Diese Entwicklung verdeutlicht, warum möglicherweise Kapital vom Goldmarkt in den Energiesektor umgeschichtet wird. Wenn grundlegende Versorgungsengpässe drohen, werden spekulative Investments in Edelmetalle zweitrangig. Die BBC meldet, dass der Ölpreis sich dem höchsten Stand seit Kriegsbeginn nähere.

Die globalen Wirtschaftsverflechtungen zeigen sich in der aktuellen Krise besonders deutlich
Die globalen Wirtschaftsverflechtungen zeigen sich in der aktuellen Krise besonders deutlich
Bild: Nothing Ahead / Pexels

Parallel dazu kämpft Europa mit einem «Guns vs. Butter»-Problem, wie die New York Times analysiert. Nach Jahrzehnten der Priorisierung von Sozialausgaben über Militärbudgets müssten europäische Länder nun umsteuern. Dies belaste die Staatshaushalte und könne Wähler verärgern.

Die gescheiterten WTO-Verhandlungen über Digitalzölle, von denen die NZZ berichtet, zeigen zudem, dass multilaterale Wirtschaftskooperation in Kriegszeiten noch schwieriger wird. Das Auslaufen des Verbots von Steuern auf digitale Downloads könnte weitreichende Folgen für den globalen E-Commerce haben.

Strukturelle Marktveränderungen

Ein besonders aufschlussreicher Aspekt ist die von der NZZ thematisierte Rolle von Algorithmen in der Preisgestaltung. Die Schweizer Wettbewerbskommission befürchte, dass KI-Systeme in Zukunft den Wettbewerb verzerren könnten. Möglicherweise spielen solche algorithmischen Handelssysteme auch beim unerwarteten Goldpreisverfall eine Rolle.

Wenn Handelsentscheidungen zunehmend von Algorithmen getroffen werden, die auf historischen Daten trainiert wurden, könnten sie in neuartigen Krisensituationen versagen. Der Iran-Krieg mit seiner spezifischen Konstellation – direkte militärische Konfrontation zwischen USA und Iran bei gleichzeitiger Kontrolle wichtiger Seewege – hat möglicherweise keine ausreichenden historischen Präzedenzfälle.

Die Liquiditätsprobleme, die Alexandra Janssen anspricht, könnten sich dadurch verschärfen. Wenn Algorithmen gleichzeitig ähnliche Verkaufssignale generieren, aber zu wenige Käufer im Markt sind, können Preise überproportional fallen. Dies würde erklären, warum Gold trotz der Krise nicht als sicherer Hafen funktioniert.

Fazit

Der Einbruch des Goldpreises während des Iran-Kriegs markiert möglicherweise einen historischen Wendepunkt in der Funktionsweise der Finanzmärkte. Die traditionelle Rolle von Gold als Krisenwährung wird fundamental infrage gestellt. Stattdessen zeigt sich, dass moderne Krisen neue Dynamiken entfalten, die historische Muster durchbrechen.

Die Gründe sind vielfältig: Gesunkene Marktliquidität, algorithmischer Handel, veränderte geopolitische Konstellationen und neue Formen der Kriegsführung – wie Irans «Mautsystem» an der Strasse von Hormuz – schaffen ein Umfeld, in dem traditionelle Anlageweisheiten nicht mehr greifen. Die extreme Verteuerung von Öl zieht möglicherweise Kapital aus dem Goldmarkt ab, während die Aussicht auf ein baldiges Kriegsende die Flucht in vermeintlich sichere Häfen unnötig erscheinen lässt.

Besonders bemerkenswert ist die von Janssen beobachtete Ruhe der Anleger trotz der dramatischen Verwerfungen. Dies deutet darauf hin, dass die Märkte entweder abgestumpft sind oder neue Mechanismen zur Krisenbewältigung entwickelt haben. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich der Goldpreis erholt oder ob wir Zeugen einer dauerhaften Neuordnung der Finanzmärkte sind.

Quellenverzeichnis

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